UPDATE – Die (Verkehrs)Schildbürger sind los!

Die Bürger Schildas waren gemeinhin als äußerst klug bekannt, weswegen sie begehrte Ratgeber der Könige und Kaiser dieser Welt waren. Da die Stadt auf diese Weise langsam aber sicher entvölkert wurde, verlegte man sich auf eine List:

Die Schildbürger begannen sich dumm zu stellen, so dumm sogar, dass sie begannen, jede Aussage, auch Metaphern, wörtlich zu interpretieren. Dies war so erfolgreich, dass sie mit der Zeit in ihrer Dummheit verblieben und dafür genauso bekannt wurden wie ehedem für ihre Klugheit.

Quelle: wikipedia.de

In Schilda versuchten die Bürger, die Versäumnisse des Architekten, der die Fenster im neuen Rathaus vergaß, damit  wieder auszugleichen indem sie Licht in Eimern ins Rathaus tragen wollten. Bekanntermaßen schlug dieses Unterfangen grandios fehl.

Ein bisschen nach Schilda versetzt fühlt man sich ja auch grad bei der aktuellen Debatte um den Austausch von Tausenden von Verkehrszeichen die ihre Gültigkeit über Nacht verloren haben.

Da darf das Männchen auf dem Zebrastreifenschild keinen Hut mehr tragen oder die alten abgerundeten Pfeile dürfen nun nicht mehr rund sein, sondern eckig. Angesichts der anderen kleinen Probleme im Land, wie z.B. die immer nocht nicht ausgestandene Wirtschaftskrise oder der mittlerweile wieder ins Gerede geratene Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, könnte man meinen die Leute die sich das mit den Schildern ausgedacht haben, laufen auch nicht mehr ganz rund.

Was eine Gleichstellungsbeauftragte damit zu tun hat?

Gestern abend zum Beispiel erklärte eine “Gleichstellungsbeauftragte” der TU Dresden bei Spiegel TV warum auf dem Schild für “Achtung Kinder” die größere Person Ihren Zopf verloren hat. Dies sei in der heutigen Zeit nicht mehr tragbar, denn es könnte ja auch mal ein Mann mit dem Kind unterwegs sein und nicht nur die Frau. Dies entspreche nicht mehr dem Rollenbild in unserer Gesellschaft. (UPDATE: siehe erster Kommentar)
Das sind doch mal Probleme die unbedingt gelöst werden wollen. Nicht das sich jemand benachteiligt fühlt wegen eines Verkehrszeichens. Das wäre dann sicherlich wieder ein Fall für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Das Ende vom Lied ist nun, dass die Städte und Gemeinden jede Menge Geld in die Hand nehmen müssen um die völlig “veralteten” und “diskriminierenden” Schilder austauschen zu können.

Achtung – abstruse Theorie!

Ich hab da auch eine Theorie – Nachdem die Abwrackprämie so gut gelaufen ist, soll wohl die Autoindustrie weiter unterstützt werden. Der Zusammenhang noch nicht klar? Moment!
Also… das Geld welches für das Flicken der Schlaglöcher vorgesehen ist wird nun für neue Schilder ausgegeben und die Löcher in der Straße bleiben einfach da wo sie sind. Die Autofahrer ruinieren sich ihre Karren endgültig und müssen sich Ersatz besorgen. Ach ja und die Produzenten von Schildern haben auch noch was davon! Ohne diese Maßnahmen würden weder die Autoindustrie noch die Schilderindustrie Geld verdienen. Applaus, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Ich glaube mittlerweile, die ganze Republik verkommt zu einem großen Schilda! Wie passsend der Name doch ist wenn man sich diesen Geniestreich mit den Schildern vor Augen führt! ;-)

Also Augen auf im Straßenverkehr. Wer sich die neuen designtechnischen Geniestreiche mal zu Gemüte führen will, kann das bei autobild.de in einer umfangreichen Schildergalerie tun. Dort sind die alten und neuen Schilder gegenübergestellt.

UPDATE:

Nun dürfen die alten Schilder doch hängenblieben! Nachzulesen bei ZEIT Online. Der Herr Ramsauer sprach von einem “Schildbürgerstreich” . Kommt mir irgendwie bekannt vor! ;-)

  • Die Gleichstellungsbeauftragte hat Blödsinn erzählt, schließlich ist das auf dem alten Schild ein Mädchen und keine Mutter. Das Schild warnt vor Kindern und nicht vor Eltern mit Kindern. Zu sehen sind daher Bruder und Schweser, oder Hänsel und Gretel, wie man es nimmt. Nun hat aber das viel zu “brave” Symbol zur Änderung geführt – denn das Schild geht nicht auf die Spontanität von Kindern ein.
    Darum wurde – in Anlehnung an die Gestaltung der Schilder in der damaligen DDR – die aktuelle Variante entwickelt. Und das wiederum geschah schon Anfang der 80er Jahre.

    Wir reden hier von Schildern, die schon vor 25 Jahren neu designed wurden und seit 18 Jahren verbindlich sind.

    Insofern ist die Aufregung die jetzt künstlich erzeugt wird nicht nachvollziehbar.

    Die komplette Übersicht aller alten Schilder gibt es übrigens hier: http://rsa-95.de/VZ-Liste.htm

  • Gut! Also den Aspekt, dass es diese Schilder schon so lange gibt hab ich jetzt auch nicht bedacht. Mir geht es aber im Prinzip um den Irrsinn der Sache an sich! Ich finde es halt einfach überflüssig die alten Schilder jetzt Knall auf Fall gegen neue austauschen zu müssen.

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